Über den Simplon

Lesung aus dem Roman von Mirjam Britsch


Anfang November hätte das Multimediafestival BergBuchBrig stattfinden sollen. Doch wie diverse kulturelle Anlässe fiel auch dieser den Corona-Massnahmen zum Opfer und damit auch die Lesung "Über den Simplon" mit Sprecherin Luciana Brusa sowie das Gespräch mit Autorin Mirjam Britsch. Wir wollen euch unsere Arbeit jedoch nicht vorenthalten und stellen die Lesung als kleines "Weihnachtsschmankerl" online. 

Sie hören drei Ausschnitte aus dem im Zytglogge Verlag erschienen Roman und dazu jeweils einen kurzen Kommentar der Autorin.

Gute Unterhaltung und eine friedliche Weihnachtszeit wünschen

Mirjam Britsch und Luciana Brusa.

Wer nicht lesen will, kann hören:

Der Kommentar der Autorin Mirjam Britsch in Mundart als Audio. 

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Historische Ereignisse werden üblicherweise aus der Perspektive des Einmaligen geschildert. Die Helden eines Krieges, die Pioniere des ersten Males.

 

Wen kümmert dabei die Perspektive der Umgebung? Der staunenden Kulisse, die als leidende Betroffene oder auch als lachende Dritte und Profiteure fast immer in Vergessenheit sinken. 

 

Geo Chavez hat 1910 mit dem ersten Flug über den Simplon und das Alpenmassiv eine Meisterleistung vollbracht. Ein tollkühnes Unterfangen. Der Wettbewerb war nicht seine Idee aber er ist ihr gefolgt, hat sich ihr gestellt, ist daran zum Helden gewachsen und danach tragisch geendet. 

 

Als Brigerbergerin stellte ich mir schon immer vor, wie das für die damalige Dorfbevölkerung gewesen sein muss, als die ersten Fluggeräte aufgebaut wurden. Scharen von Menschen kamen und mit ihnen völlig fremde Eindrücke.

 

Steigen wir in die Geschichte über das Dorfleben vor dem unerhörten Ereignis ein. Wir lernen Edi kennen, den Jüngling, der mit seiner Schwester Dolores und dem Vater in einer kleinen Familie lebt. Sie kommen knapp über die Runden. Welch ein Kontrast zur Ausgangslage eines Chavez, dessen Eltern eine Bank in Paris kaufen konnten und der seine teuren Hobbies aussuchen durfte.

 

Hören wir zu, wie es war, und womit Edi und die Seinen damals zu kämpfen hatten. 


Lesung 1. Teil: Edi, Armut, Gonerbotsche 

 

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Der Kommentar der Autorin Mirjam Britsch in Mundart als Audio

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Es war auch damals schon möglich, dieses harte Bergleben zu verlassen. Und sein Glück in der Stadt zu versuchen. Edi’s Onkel Theo hat diese Chance genutzt. Er durfte ins Ausland, um Sprachen und Beruf zu lernen und hatte Erfolg. Für Edi ein fernes wenn auch nicht ganz unmögliches Ziel. Theo ist der Bruder der verstorbenen Mutter. Er kommt zu Besuch, um das Spektakel in seiner Heimat zu verfolgen und er weckt Edi’s Sehnsucht nach dem besseren Leben in der Ferne. 

 

Dieses Hin und Her zwischen bleiben wollen und weg müssen oder weg wollen und bleiben müssen ist ein ewiges Thema abgeschiedener Gegenden. Weltweit. Es stellt sich die Grundsatzfrage nach dem tieferen Sinn des Lebens nach dem was wirklich zählt. Muss man das Los des Hineingeboren Seins annehmen und daraus das Beste machen? Oder darf, ja soll man das Beste aus dem eigenen Potenzial schöpfen und dieses in der Ferne umsetzen? Die Frage ist komplex und wird immer wieder anders beantwortet. Frühere Generationen gingen fort, weil sie der Armut entrinnen wollten und passten sich sofort an. In meiner Generation begann man zu wählen, zwischen einem erfolgreichen Berufsweg in der "Üsserschwiiz" und dem Leben in der Heimat. Man war stolz auf den mitgebrachten Dialekt. Heute sucht man wieder vermehrt die Rückkehr zu Wurzel und Gemeinschaft, misst der beruflichen Entwicklung nicht mehr die absolute Bedeutung zu. Die Optionen in der Heimat haben sich verbessert. 

 

So ist die persönliche Entscheidung immer auch ein Abdruck auf der Folie des Zeitgeistes. Der Kohorte, der aktuellen gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Gegebenheiten. Gar nicht so privat. 

Für Edi ist das Treffen mit seinem Onkel aus Paris die erste Begegnung mit der Ferne und er ist hingerissen.


Lesung 2. Teil: Konfrontation mit der fremden Aussenwelt 

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Der Kommentar der Autorin Mirjam Britsch in Mundart als Audio

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Das historische Ereignis bringt neben den offensichtlichen Aspekten immer auch etwas die lokale Welt durcheinander. So auch hier. Die Dominanz des Dorfclans erhält ein Gegengewicht, das Konflikte schürt aber auch neue Chancen birgt, die es zu nutzen gilt. 

In einem eingespielten Gleichgewicht braucht es immer wieder diesen Impuls von aussen, damit etwas in Bewegung kommt.

 

Unverhofft winkt das Schicksal Edi und er darf hoffen, von Chavez, durch Vermittlung Theos und dessen französischer Frau Hélène eine Arbeit zu bekommen. Und der Dominanz des Goner Clans zu entrinnen.

 

Das historische Ereignis, das sei hier nicht kleingeredet, ist dennoch Dreh- und Angelpunkt dieser faszinierenden Geschichte. In seiner Dramaturgie vom Leben und den beteiligten Abenteurern zu einem Drama erster Güte verewigt. Dabei spielten Kirche, Staat und die unglückliche terminliche Verquickung mit dem eidgenössischen Buss- und Bettag ebenso wacker mit, wie die etwas hysterisch reagierende Società Italiana und das nicht minder ambitionierte Briger Komitee. Und die damalige Crème de la Crème des gerade erst entstehenden Flugwesens.

 

Hätte Chavez auf sich selber gehört, wäre er wohl nicht oder jedenfalls nicht am Simplon zum tragischen Helden geworden. 


Lesung 3. Teil: Edi trifft auf Geo Chavez 

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